Wie in vielen kommunistischen Ländern ist auch in China das Glücksspiel strengstens verboten, nicht einmal in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong gibt es ein Casino. Dennoch gibt es eine Ausnahme: Die südchinesische Insel Macau, die nur rund 100 Kilometer von Hongkong entfernt liegt, ist das Spielerparadies Asiens und hat mit seinen Casinos selbst Las Vegas schon längst überholt.

Wie kam es dazu, dass sich in Macau das Glücksspiel etablieren konnte?

Macau war lange eine portugiesische Kolonie und wurde erst Ende des Jahres 1999 an China zurückgegeben. Wenn man heute durch Macau geht, erinnern noch überall Kirchen und portugiesische Kolonialbauten an die jahrhundertelange Belagerung durch die Portugiesen.

Diese Sonderstellung nutzt man in Macau, um hier ein Paradies für Spielerfreunde aus ganz China und dem nahen Hongkong zu schaffen. Nach der Rückgabe von Macao an China blieb die Insel eine Sonderverwaltungszone und das Glücksspiel durfte weiter bestehen bleiben, es wurde seither sogar noch gewaltig ausgebaut.

Immerhin besuchen jährlich Millionen Spieler, die vor allem aus China kommen, die Glücksspiel-Insel am Delta des Perlflusses, um in den Casinos der Stadt ihrem Vergnügen nachzugehen. Wie sollte es auch anders sein, dass sich in Macau auch ein Casino der Superlative befindet: Das “Venetian” ist mit über 3.000 Spielautomaten und 750 Spieltischen das größte Casino der Welt.

Es wurde nach dem Vorbild des berühmten “Venetian” in Las Vegas errichtet, und hier sind, ebenso wie im amerikanischen Casino-Hotel, die Wahrzeichen Venedigs, wie der berühmte Markusplatz mit seinem Campanile, nachgebaut. Das “Venetian” in Macau, dem ebenfalls ein Luxushotel angeschlossen ist, ist beinahe doppelt so groß wie jenes in Las Vegas.

Bis zum Jahr 2002 gab es in Macau ein Monopol am Glückspielmarkt, ab diesem Zeitpunkt wurden jedoch drei weitere Lizenzen vergeben. Eine davon ging an den alteingesessenen chinesischen Großindustriellen Stanley Ho vergeben, zwei weitere Lizenzen wanderten an amerikanische Unternehmer.

Es waren vor allem die Unternehmer aus den USA, die Unsummen in die touristische Infrastruktur Macaus investierten. Dadurch entstanden enorme Hotelkomplexe sowie Erlebnis- und Shoppingmeilen.

Ähnlich wie man es auch in Hongkong gemacht hatte, wurden auch in Macau durch das Aufschütten von Land neue Flächen gewonnen. Mit rund einer halben Million Menschen auf einer Fläche von rund 28 Quadratkilometern gehört die Insel zu den dichtest besiedelten Gebieten der Welt. Zusätzlich kommen jährlich noch rund zehn Millionen Besucher nach Macau.

Vor allem an den Wochenenden kommen viele spielfreudige Chinesen von der Nachbarstadt Honkong auf die Insel, wodurch Macau manchmal aus allen Nähten zu platzen scheint. Neben dem Tourismus und dem Glücksspiel gibt es auf Macau keine wirtschaftliche Basis.

Nicht jeder ist von der Entwicklung der Insel begeistert. Vor allem alteingesessene Macauis sehen die Veränderung ihrer Heimat mit großer Skepsis. Denn die einzigartige Mischung aus europäischer und asiatischer Baukultur geht durch den Casino-Bauboom immer mehr verloren.

Um zumindest einen Teil der Bauwerke aus den letzten Jahrhunderten zu bewahren, gab es seitens der alteingesessenen Bewohner der Insel große Bestrebungen, einzelne Gebäude unter den Schutz der UNESCO zu stellen und sie wurden für ihren Einsatz belohnt, denn im Jahr 2005 wurde die gesamte historische Innenstadt mit chinesischen und portugiesischen Gebäuden als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt.